Stärkung der Volksschule?

Ein Teil der Vorlage zur Stärkung der Volksschule sieht ungefähr so aus.

Sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe

  • Wie in allen anderen Kantonen der Schweiz (mit Ausnahme des Tessins) soll die Primarschule auch im Aargau neu sechs Jahre dauern.
  • Die Oberstufe dauert drei Jahre. Sie ist wie bisher in Real-, Sekundar- und Bezirksschule gegliedert.

Zusatzlektionen bei erheblicher sozialer Belastung

  • Kindergärten, Primar- sowie Real- und Sekundarschulen an sozial erheblich belasteten Orten sollen zusätzliche Lektionen erhalten.
  • Sie können etwa für die Arbeit zu zweit in der Klasse oder für flexible Lerngruppen eingesetzt werden.
  • Ein Teil kann aber auch in andere Aufgaben investiert werden, die für den Bildungserfolg wichtig, an belasteten Schulen aber besonders zeitintensiv sind. Das kann beispielsweise eine intensivere Elternarbeit sein oder die stärkere Unterstützung von Lernenden beim Übertritt in die Berufswelt.
  • [...] Somit stehen ab August 2011 für Schulen mit erheblicher sozialer Belastung Zusatzlektionen im Umfang von 7 Millionen Franken zur Verfügung.

Der Vorstand der rla ist folgender Meinung:

«Das Argument, dass das Gesamtniveau sinke, ist Angstmacherei. Es stellt auf arrogante Weise die Leistung der Primarlehrpersonen in Frage, die zur adäquaten Vermittlung des Schulstoffes für heterogene Klassen pädagogisch und fachlich durchaus befähigt sind.»

Das Argument setzt nicht die Leistung der Primarlehrpersonen in Frage, das ist absurd. Natürlich sind diese absolut kompetent, den Stoff zu vermitteln. Ihnen werden ja auch die ersten fünf Jahre, eine extrem wichtige Zeit für die Entwicklung der SchülerInnen, anvertraut.

Jeder hat seine Stärken und Schwächen, die sich schon früh in der schulischen Laufbahn entpuppen. Es gibt solche, die schnell begreifen und lernen, und solche, die es weniger schnell tun. Wenn du jeden Tag nur rennen müsstest, aber nicht schnell rennen könntest, würde dir doch die Lust am Rennen vergehen, oder nicht? Das ist das Problem mit der späten «Aufspaltung» der Kinder. Wenn sie in den ersten fünf Jahren in einigen Fächern nicht mitkommen, vergeht ihnen die Lust am Lernen. Sie verlieren die Motivation und sehen den Sinn nicht.

Niemand beginnt mit den gleichen Vorraussetzungen. Meiner Meinung nach sollten die Kinder schon früher, nach der dritten oder der fünften Klasse «aufgespaltet» werden. Ich verwende Anführungszeichen, weil die «Aufspaltung» nicht im traditionellen Sinne erfolgen soll. Stell dir vor, ich habe in der Mathematik Lernschwierigkeiten, doch interessiere mich extrem für die Naturwissenschaften. Wieso werden die Kinder nach ihrer Gesamtleistung aufgeteilt und nicht nach den Leistungen in den einzelnen Fächern? Demzufolge wäre ich dann in der Realstufe der Mathematik und in der Bezirksstufe der Fächer Biologie, Geographie etc.

«Wenn Jugendliche aber gänzlich separiert werden, lernen sie, dass sie nicht mehr zu den anderen gehören – und die anderen nicht mehr zu ihnen»

Dieses Problem würde damit gelöst werden, es gäbe die riesigen Gräben zwischen den drei Stufen nicht mehr. Aber wenn die Primarschule verlängert werden würde, verschiebe man nur das Unvermeidbare.

«Das Stimmvolk wird leider oft verunsichert, weil aus den Reihen von Lehrpersonen immer wieder Bedenken geäussert werden, die letztlich dem gewerkschaftlichen Interesse dienen und nicht wirklich dem Kind.»

Es dient dem Kind. Wenn die starken Schüler und die schwächeren Schüler ein Jahr länger zusammen dieselbe Klasse besuchen, dann hat der Unterricht für sie keinen Wert. Ich möchte lernen. Ich möchte nicht denselben Unterricht besuchen wie unmotivierte Schüler, die keinen Bedarf haben, etwas Neues zu lernen (Schuld? Siehe Rennvergleich). Ich möchte vorankommen, und nicht zurückgehalten werden, weil die Hälfte das Konzept der «Orbitale» nicht versteht. Aber das liegt nicht an der Kompetenz der Lehrpersonen sondern an den riesigen Lernunterschieden der Schüler. Der Unterricht wäre ein zusätzliches Jahr zu langsam für die schnellen Schüler und ein zusätzliches Jahr zu schnell für die schwächeren Schüle. Sie verpassen die Hälfte und können das Versäumte nicht mehr aufholen. Die starken Schüler können nicht adäquat gefördert werden (und deswegen fehlt es auch der Schweiz an Ingenieuren).

«Dass die Besten in der 6. Primarklasse etwas weniger Nahrung erhalten als in der 1. Bez, ist möglich.»

Na siehe da. Das bestätigt doch genau meine Aussage. Wieso sollte man die Lernzeit verlängern? Wir haben sowieso schon ein zusätzliches Jahr der Kantonsschule!

«Zusatzlektionen bei erheblicher sozialer Belastung»

Und wieder: nur die Schwächeren werden gefördert. Wieso nicht die Starken? Wieso gibt der Staat zusätzliche 7 Millionen für Zusatzlektionen für schwächere Schüler aus, aber fördert nicht die Starken?

PCIP – «Protecting Children from Internet Pornographers»

PCIP – kurz für «Protecting Children from Internet Pornographers Act of 2011» (auch unter dem Congress Tracking Number «H.R. 1981» bekannt) – wurde im Mai 2011 von Lamar Smith vorgestellt.

Den Namen «Lamar Smith» habt ihr sicherlich schon in Verbindung mit «SOPA» (Stop Online Piracy Act) gehört. Dieses Bill wurde zeitweise wegen der grossen Aufstände (über 75’000 Webseiten, unter anderem auch die Englische Wikipedia, waren am 18. Januar aus Protest nicht verfügbar) auf die Seite gelegt. Lamar Smith ist ein Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, der gegen Abtreibung und die Legalisierung von Marijuana ist. Smith war derjenige, der SOPA eingeführt hat. Er weiss nicht, welche negative Auswirkung die Einführung eines solchen Gesetzes gehabt hätte, weil er kaum mit dem Internet umgehen kann! Die Idee, dass solche Personen das Volk «vertreten» und über mich bestimmen können, finde ich absurd. Naja, also zurück zu PCIP.

PCIP will, kurz gesagt, die Durchsetzung der Kinderpornographie Gesetze erleichtern. Smith ist der Meinung, dass  die Kinderpornographie «Industrie» in den Vereinigten Staaten um mehr als 150% pro Jahr wächst. Ich denke, der ganze Umgang mit Kinderpornographie ist falsch, aber meine Meinung dazu könnt ihr hier lesen.

(1) A commercial provider of an electronic communication service shall retain for a period of at least one year a log of the temporarily assigned network addresses the provider assigns to a subscriber to or customer of such service that enables the identification of the corresponding customer or subscriber information under subsection (c)(2) of this section.

ISPs (Internet Service Providers, solche, die uns eine Internet Verbindung zur Verfügung stellen) müssten mit PCIP all unsere Daten für mindestens ein Jahr bis zu 18 Monaten speichern, unter anderem unsere

  • Namen
  • Hausadressen
  • Telefonnummern
  • Kreditkartennummern
  • Bank Konten
  • besuchte Webseiten
  • zugeteilte IP Adressen

(2) Access to a record or information required to be retained under this subsection may not be compelled by any person or other entity that is not a governmental entity.

Niemand ausser die Regierung darf auf diese extrem privaten Daten, die auf «sicheren» Servern gespeichert werden, zugreifen. Nun ja. Hacker werden es dann besonders leicht haben; sie müssen sich nicht Kreditkartennummern und Adressen auf verschiedenen Seiten zusammensuchen, sondern brauchen «nur» den Zugang zu dieser Datenbank, und schon besitzen sie all meine vertrauliche Informationen.

Da hat Mr. Smith aber schon vorausgedacht:

(1) to encourage electronic communication service providers to give prompt notice to their customers in the event of a breach of the data retained pursuant to section 2703(h) of title 18 of the United States Code, in order that those effected can take the necessary steps to protect themselves from potential misuse of private information…

Och wie nett. Wenn zufälligerweise die Datenbank mit all meinen persönlichen Informationen, in der unter anderem meine Kreditkartennummer und Bank Konten aufgezeichnet sind, kompromittiert wird, wird man mir das schleunigst mitteilen…

Wann darf die Regierung auf diese Daten zugreifen? Wann immer sie möchte. Sie brauchen nur die Befugnis eines Richter, der ihnen eine solche grundlos erteilen kann.

Jetzt (ohne PCIP) braucht die Regierung einen «probable cause», also einen guten Grund, die ISP dazu zu zwingen, einen Kunden zu überwachen. Und: erst nachdem die Regierung den Überwachungsbefehl erteilt, fängt die ISP damit an, die Daten eines Kunden zu speichern.

Mit PCIP werden alle Daten von allen Kunden laufend gespeichert, egal ob man noch gar nicht vorbestraft ist!

PCIP wird nicht den gewünschten Effekt haben. Sie wollen den Herstellungs- und Verkaufsprozess von Kinderpornographie (KP) erschweren. Doch ich würde mir denken, dass solche, die mit KP Geld verdienen oder Geld für KP ausgeben, das im Geheimen tun, und nicht unverschlüsselt in der Stube. Möglichkeiten (die auch heute schon benutzt werden) um PCIP zu umgehen sind

  • «Deep Web». Mit dem TOR-Client kommt man verschlüsselt (und es ist fast unmöglich, einen zu verfolgen) ins geheime Netz, in dem grosse KP Seiten leicht zuzugreifen sind.
  • Öffentliches WiFi. Bei Starbucks wird jedem eine IP Adresse zugeteilt, die man (kaum) auf seine richtige Hausadresse zurück verfolgen kann.
  • Bitcoins. Eine Form elektronisches Geld, dass anonym gekauft und zum Kaufprozess benutzt werden kann.

Politiker haben Angst, sich gegen PCIP zu stellen. Sie wollen nicht, dass ihnen unterstellt wird, dass sie Kinderpornographie unterstützen. Niemand unterstützt den Missbrauch von Kindern, oder?

PCIP hat auch noch andere Inhalte, wie die Verlängerung der Haftstrafe für Straftäter, den Schutz von Zeugen und Geldwaschen. Den ganzen Bill kann man hier betrachten. 

Noch ein kleines Detail, dass wahrscheinlich nur mich verwirrt.

«Protecting Children from Internet Pornographers … »

Für mich ist ein «Pornographer» jemand der (nicht unbedingt illegale) Pornos herstellt. Als ich den Titel zum ersten Mal las dachte ich, man wollte Kinder davon abhalten, sich Pornographie im Internet anzuschauen. (Meine Meinung zur legalen Pornographie könnt ihr hier lesen). Vielleicht haben die 39 Co-Sponsors von diesem Bill das Gleiche gedacht? Man muss das Gesetz ja anscheinend nicht gelesen haben, um dafür zu sein…

Was meint ihr dazu? Überwiegen die Vorteile von PCIP die Nachteile? Wenn nicht, habt ihr einen besseren Vorschlag? Sollte man überhaupt so gegen Kinderpornographie vorgehen? Danke fürs Lesen :)

«Kirchdorf News» – Was ich von meiner Dorfzeitung gelernt habe

Mit zehn oder elf Jahren fing ich an, monatlich eine Dorfzeitung namens «Kirchdorf News» zu publizieren. Hier noch ein paar Ausschnitte, über die ihr euch im Comment Section lustig machen könnt…

Ich interviewte verschiedene (relativ) wichtige und interessante Leute (den Pfarrer, Marc Périllard (Leiter der Badenfahrt), unseren Schulleiter…), schrieb über aktuelle Geschehnisse, und suchte Sudoku und Rätsel aus dem Internet zusammen, die ich dann abdruckte. Es gab sogar eine Kolumne, in der ich berichtete, was man zu dieser Jahreszeit in seinem Garten zu erledigen hatte («Garten News»). Anfänglich wollte ich damit mein Taschengeld aufbessern, doch nebenbei habe ich sehr viel Bemerkenswertes gelernt. Gegen Ende wurde ich dann etwas faul, und beschloss aufzuhören. Ich hätte noch viele Pläne gehabt, und die Zeitung hatte sicherlich Potential.

Wie kam ich dazu?

Ihr kennt mich ja (etwas). Ich mag Geld. Ausserdem finde ich es langweilig, Geld auf «normale» Wege zu verdienen.

  1. Man unterscheidet sich nicht von den anderen. Wenn alle das Gleiche machen würden gäbe es keinen Fortschritt.
  2. Man verdient nicht viel. Es gibt zu viel Konkurrenz und demzufolge ist auch der Lohn nicht vielversprechend.

Ich muss gestehen, die Idee kam von meinem Vater. Ich fragte ihn eines Tages nach einer Methode, um Geld zu verdienen, und nachdem ich für ihn (gegen kärgliche Bezahlung) den Hof geputzt hatte, schlug er vor, dass ich eine Dorfzeitung publiziere.

Wie ging ich vor?

Ich begann, Ideen zu sammeln. Was waren Themen, die immer wieder vorkommen könnten? Was war dem Dorf wichtig, was betraf nur mein Dorf (Kirchdorf)? Ich recherchierte und kopierte Rubriken aus bestehenden Zeitungen. Ich war damals sehr scheu und ängstlich (als ich in die dritte Klasse kam hatte ich mich hinter meiner Mutter versteckt). Für mein erstes Interview mit dem Leiter des Dorfkommites hatte ich meine besten Kleider angezogen, doch ich schaffte es kaum, die Fragen herauszustottern.

Den ganzen Inhalt zu verfassen war (bei den ersten Ausgaben) extrem schwierig, da ich gerade mal eins oder zwei Jahre fliessend Deutsch sprach. Das Layout der «Zeitung» (sie war zu Beginn nur eine Doppelseite) machte ich – bis ans Ende – mit «Mircosoft Word». Eine Katastrophe, doch es funktionierte. Nachdem meine Mutter die gröbsten Fehler editiert hatte, ging es ans Verkaufen. Ich hatte furchtbare Angst, bei den Leuten zu klingeln. Vielleicht haben sie nur ein Abonnement gekauft, weil sie sich fürchteten, dass ich sonst zu weinen beginnen würde… Anfangs kostete eine Zeitung Fr. 1.- und ein Jahresabo zwölf Mal so viel. Später habe ich den Preis auf Fr. 32 / Jahr erhöht.

Was habe ich gelernt?

  • Meine Deutschkenntnisse verbesserten sich drastisch. Ich weiss nicht, wo ich jetzt wäre, hätte ich nicht so viele Artikel geschrieben.
  • Ich verlor mit der Zeit (teilweise) meine Furcht, mit anderen Leuten zu kommunizieren. Ich bin nicht ein besonders redseliger Mensch, doch wenn ich etwas sagen oder fragen möchte, habe ich keine Hemmungen.
  • Computer Kenntnisse. Zum grössten Teil dank der Zeitung kenne ich mich heute relativ gut mit Computern und dem Internet aus. Die Stunden die ich damit verbracht habe, das Layout zu perfektionieren und verschiedene Probleme zu lösen, haben sich gelohnt.
  • Leute mögen es nicht, wenn etwas teurer wird. Ich denke Fr. 12 / Jahr war ein guter Preis, vielleicht sogar etwas zu teuer. Ich erhöhte ihn nur um Fr. 20, weil mein Aufwand mit der Zeit grösser wurde: ich musste die Zeitung selber verteilen (gegen Ende an über 200 Leser) und die Seitenzahl war nun acht statt zwei. Ich hätte stattdessen Werbung einbinden sollen, lokale Firmen hätten sicher über Fr. 500 / Jahr bezahlt.
  • Design. Das Design (Layout, Logo, Typographie, Farben, etc.) hat sich mit den Jahren verändert. Anfänglich benutze ich die «Default» Schriftart, «Times New Roman», auch für das «Logo». Später lernte ich dann professionelle Programme wie QuarkPress, Illustrator, InDesign und Photoshop kennen (doch die letzte Ausgabe war, vom Design her, immer noch ziemlich scheisse).
  • Leute mögen es, eine Dorfzeitung zu haben. Wir haben viele Zeitungen, doch diese sind für Leser von grösseren Gebieten bestimmt. Eine Dorfzeitung ist für ein kleines Gebiet, mit Nachrichten die nur eine kleine Anzahl von Personen betreffen. Man lernt die Personen persönlich kennen, sieht sie mindestens einmal im Monat. Man redet mit ihnen, lernt ihre Interessen und Wünsche kennen. Jeder mag es, wenn sein Name in der Zeitung steht.
  • Gewinnspiele sind gut. Jeder liebt es, etwas zu gewinnen – egal was. Die Zeitung soll nicht ein einseitiges Medium sein (leider kann man nicht so direkt Diskussionen führen wie bei einem Blog). Die Leser engagieren sich und gewinnen vielleicht fünf Franken oder einen Schokoriegel. Wieder steht ihr Name in der Zeitung. (Ausserdem sind die Gewinnchancen bei so wenig Lesern riesig!).
  • Deadlines matter. Ich bin faul. Einmal war die Zeitung nicht wie versprochen am ersten des Monats fertig. Ich dachte mir, dass die Leute sich nicht drum scheren würden, wenn sie ein paar Tage zu spät in die Briefkästen gesteckt wird. Falsch. Reklamationen, verwunderte Leser. Den Fehler habe ich nicht wiederholt.
  • Niemand interessiert sich für Nachrichten, die er überall finden kann. Dummerweise hatte ich die «brilliante» Idee, in einer Ausgabe die Welt Nachrichten von «Radio Argovia» abzudrucken. Wieso liest man meine Zeitung? Originelle Nachrichten, die Kirchdorf betreffen.
  • Eine Webseite ist schön, aber unnötig. Natürlich ist es ein positiver Zusatz, eine Webseite zu besitzen. Doch ich bekam vielleicht 1-2 Aufrufe im Monat – egal wie viel ich dafür warb. In meinem Dorf ergab es keinen Sinn, wahrscheinlich hätte es irgendwo anders mehr gebracht.

Was hätte ich noch machen können?

Ich hatte Pläne, meinen Profit zu maximieren und meinen Aufwand zu minimieren. Ich wollte Kinder / Jugendliche aus dem Dorf anstellen, Artikel zu verfassen, Kolumnen zu schreiben und Interviews zu führen. Ich hatte vor, «Kirchdorf News» zu einer Gemeindezeitung machen, die Druckkosten zu eliminieren, und die Zeitung digital zu vertreiben (schlechte Idee). Wieso habe ich das nicht gemacht? Ich hatte wegen der Schule immer weniger Freizeit, die ich lieber anderen «endeavors» widmete.

Ich habe sehr viel von der «Kirchdorf News» profitiert, und schätze das Erlebnis sehr. Ausserdem habe ich dadurch nette, hilfsbereite und interessante Menschen kennengelernt (wie den Vizepräsident von ABB Schweiz).

Wenn es euch interessiert, wie viel ich mit der «Kirchdorf News» verdient habe, besitzt ihr sicherlich die Fähigkeiten, es anhand der gegebenen Informationen auszurechnen.

 

Sollen geistig Behinderte in «normale» Klassen integriert werden?

In der Französisch-Halbklasse am Dienstag haben wir über ein emotionales, zum Nachdenken anregendes Thema diskutiert, nämlich ob geistig behinderte Kinder in eine «normale» Klasse integriert werden sollten.

Ich habe vor zwei Jahren eine Reportage über «Arwo» (Arbeiten und Wohnen für Behinderte) geschrieben, wobei ich die Möglichkeit hatte, mit einigen der dort angestellten und wohnenden geistig Behinderten zu sprechen (wir könnten in den Gebieten Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Lebensfreude viel von ihnen lernen). Dabei zeigte sich sehr gut, dass es viele verschiedene «Grade» der Behinderung gibt. Das heisst: man kann nicht zwischen «behindert» und «nicht behindert» differenzieren.

Man kann unmöglich generell sagen, dass jeder, der behindert ist, nicht am «normalen» Unterricht teilnehmen darf.

Meine Emotionen sagen mir, dass alle gleich behandeln werden sollten, dass niemand ausgeschlossen werden sollte. Doch wir sind nicht alle gleich. Wenn mein Auto weitaus weniger Pferdestärken hat als die anderen, kann ich unmöglich bei einem Rennen gewinnen. Da wäre es doch gescheiter, wenn ich in einem Rennen meiner Kategorie mitmachen würde, oder nicht? So auch mit der Integration: wenn das Kind im Unterricht nicht mitkommt, stört und die schnelleren Schüler beim Lernen hindert, dann ergibt es keinen Sinn, das Kind teilnehmen zu lassen. Auch wäre eine geistig behinderte Person eine erschwerte Last für die (jetzt schon unterbezahlten) Lehrpersonen, die in den meisten Fällen gar keine spezialisierte Ausbildung für den Umgang mit solchen speziellen Schülern vollzogen haben.

Wenn mein Auto nur etwas weniger Pferdestärken als die anderen hat, aber ich ein sehr guter Fahrer bin (Kurventechniken etc.), besteht eine Chance, dass ich gewinne. Genauso die Integration: Wenn das Kind Fortschritte macht und sich gut mit den anderen Kindern versteht, sollte es möglich sein, dass es im «normalen» Unterricht integriert wird.

Doch was ist denn überhaupt besser für das Kind? Eine Integration mit anderen, «normalen» Kindern, oder eine Schule, an der speziell ausgebildete Lehrpersonen, die viel mehr Zeit haben, arbeiten und sich einzeln mit den geistig Behinderten auseinandersetzen und auch wissen, wie man auf bestimmte Situationen reagiert, mit denen «normale» LehrerInnen keine Erfahrung haben. Ich würde denken, dass Pädagogische Schulen die richtige Lösung wären.

Natürlich entsteht aber dann das Problem, dass geistig behinderte Kinder trotzdem irgendwie den Umgang mit «normalen» Kindern lernen müssen und umgekehrt. Dafür gäbe es aber auch andere Möglichkeiten, die schon mit der Spielgruppe beginnen. (Ich weiss dazu – im Moment – keine bessere Lösung, und bin mir bewusst, dass Spielgruppe sicherlich nicht ausreichend wäre).

Aber auch wenn geistig behinderte Kinder am «normalen» Unterricht teilnehmen würden, dann würden sie sicherlich nicht die Kantonsschule besuchen. Ich muss hier sehr vorsichtig formulieren: Ich habe mit den meisten Realschülern keine guten Erfahrungen gemacht. Vielleicht liegt das an mir. Ich weiss nicht, wie leicht es sein würde, für mich, oder gar einem geistig behindertem Kind in einer solchen Umgebung zu lernen und Fortschritte zu machen. Bitte, ich will aber damit sicherlich nicht generell sagen, dass alle Realschüler schlecht bzw. alle Kantonsschüler gut sind. Das wäre ja so, als würde ich alle Mädchen hassen, nur weil ich einmal von einem beleidigt wurde. Ich bin kein Experte in diesem Gebiet (ich bin leider in keinem Gebiet Experte…), aber denke, dass ein Doktortitel in dieser Situation auch nicht viel hilft. Man muss Verschiedenes ausprobieren, die Ergebnisse evaluieren und eine informierte Entscheidung treffen. Es geht darum, was am Besten für das Kind und nicht für die Eltern ist. Ich bin nicht der Vater eines behinderten Kindes, ich kann mir unmöglich vorstellen, wie schwer das wäre. Aber so tun, als ob mein geistig behindertes Kind sich von den anderen nicht unterscheidet macht keinen Sinn. Weder für mich, noch für das Kind. Aber: anders ist kein Synonym für schlecht.

Bild von «insidershealth.com»